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Erfolgreiche Schulkooperation

  • AutorInnen: Münderlein, Regina
  • Springer VS, 2014
  • Fachgebiet:
  • Jugendarbeit

Rezension:

Regina Münderlein liefert einen aktuellen Überblick über den theoretischen und praxisrelevanten Stand der Kooperationsdebatte zwischen Jugendarbeit und Schule. In Deutschland hat sich die Kooperation zu einem theoretischen „State of the Art“ entwickelt: Im Fokus stehen zahlreiche Stellungnahmen zur Notwendigkeit einer Zusammenarbeit, eine breite Fachdiskussion und regionale Rahmenpläne für Schulkooperationen u.a. zwei maßgebende bildungspolitische Veränderungen: der sogenannte „Pisa-Schock“ und der (damit verbundenen) Ausbau von Ganztagsschulen.

Münderlein unternimmt in ihrer Dissertation den Versuch, das Kooperationsthema nicht nur auf eine theoretische Auseinandersetzung zu Chancen und Risiken einer Kooperation zwischen Schule und Jugendarbeit zu reduzieren, sondern einen doppelperspektivischen Blick zur Zusammenarbeit zwischen Hauptschule und Jugendarbeit in ihrer Studie einzunehmen.

Zum Verhältnis der außerschulisch-schulischen Zusammenarbeit
Zunächst steht allerdings eine Verortung der Kooperations-Institutionen im Vordergrund. Die Studie fokussiert auf Haupt- und Mittelschulen und TrägerInnen und Angebote der Jugendarbeit vor allem im Bundesland Bayern. Ein kurzer Abriss zum bildungspolitischen Verhältnis  und eigenem Verständnis der Kooperations-Institutionen zeigt, dass der Begriff Kooperation in der Praxis der sozialen Arbeit eine (berufliche) Selbstverständlichkeit bedeutet. Die Schule zeigt ein eher „kooperationsarmes und individualisiertes Berufsverständnis“. Die Kooperationsbereitschaft zwischen beiden Institutionen gründet sich allerdings – so Münderleins Ausführungen mit Blick auf Bayern – in gesetzlichen Aufträgen wie beispielsweise dem Bayrischen Schulgesetz oder dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, welche sich zu Vorgaben, kommunalen Rahmenkonzepten und letztlich auch Druck zur Zusammenarbeit für die Kinder- und Jugendhilfe/arbeit entwickelt haben. Die Ausgangslage für die gesetzlichen Neuerungen sind in der schulischen Ganztagsentwicklung und dem „Pisa-Schock“ zu verorten und nimmt vor allem die Haupt- und Mittelschule – als eine durch „hohe und multiple Problemlagen belastete Schulform“ – in den Fokus.

Und hier zeigt sich die zweigleisige Dynamik der Kooperationsdebatte: Einerseits entwickelte sich die Kooperation aus sozialisatorischen Bedarfslagen der Kinder heraus (vgl. Kap. 1.3), die als schicht- oder migrationsabhängige Benachteiligungen durch die Pisa-Ergebnisse deutlich wurden. Andererseits zeigt sich daraus folgend der hohe, ideelle Erwartungsdruck, der mit der Kooperation verbunden ist: der Wunsch und die Forderung nach Zusammenarbeit als „heilversprechendes Konstrukt“ und „Allheilmittel“ (Rauschenbach 2009).

So wundert es nicht, dass vor dem Hintergrund von schnellen, ergebnisorientierten  Problemlösungen die fachliche Debatte um Kooperation durch die beiden Begriffspole „Risiko“ und „Chance“ gekennzeichnet ist. Der Autorin gelingt es allerdings im weiterführenden Kapitel „Schul-Jugendhilfekooperationen“, die fachlichen Diskurse um Kooperation knapp, aber umfassend einzuführen und zu diskutieren.

Forschungsergebnisse: Von doppelperspektivischen Kooperationsdarstellungen zur Checkliste für Jugendarbeit und Schule
Für die qualitative Studie wurden drei Kooperationstandems aus Bayern ausgewählt und in Fallanalysen beschrieben. Die ausgewählten Haupt- und Mittelschulen und Kinder- und Jugendeinrichtungen verfügen über langjährige Kooperationserfahrungen. Die Autorin stellt nun aufeinander aufbauend drei Aspekte der untersuchten Schulkooperationen vor: (1) pädagogische Aspekte, (2) institutionelle Aspekte und (3) Aspekte der Arbeitsbeziehung in der Schulkooperation.

Die Schilderungen sind interessant, da Münderlein die Ergebnisse mit Zitaten aus den erhobenen Interviews belegt, aber diese auch in Zusammenhang mit aktuellen Forschungsergebnissen aus dem Fachdiskurs bringt.  Die Kooperationstandems arbeiten institutionsübergreifend und hierarchiebezogen sehr unterschiedlich. Allgemein ist aus den Ergebnissen der Studie allerdings herauszulesen, dass Schulkooperationen sehr vom „Erfolgserleben“ und vom gegenseitigen Nutzen abhängig sind, da die pädagogischen und institutionellen Aspekte erst in der Kooperationserfahrung – vor allem bei den SchulakteurInnen – erkennbar sind. Hier profitiert die Schule von den außerschulischen Methoden im Bereich „authentisches Lernen“, wie dies Münderlein pointiert festhält. Inwieweit Kinder und Jugendliche davon profitieren und ob durch Schulkooperationen gerechtere Bildungschancen für Kinder und Jugendliche entstehen können, hänge am Ende doch von den beteiligten Personen und letztlich den bildungspolitisch-normativen Vorgaben ab. Münderlein schlägt deshalb vor,  vom programmatischen Leitsatz „Durch Kooperation zum Erfolg“ abzusehen und eine subjektorientierte, SchülerInnen-zentrierte Perspektive einzunehmen.

Die Studie von Regina Münderlein ist all jenen zu empfehlen, die sich aktiv mit dem Thema Schulkooperation auseinandersetzen möchten und einen Mix aus Theorieinhalten und Fallanalysen schätzen.

Rezensiert von Nadja Madlener, ehem. Leiterin wienxtra-schulevents

 

 

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