Buchtipps

Handbuch offene Kinder- und Jugendarbeit

  • AutorInnen: Ulrich Deinet, Benedikt Sturzenhecker (Hrsg.)
  • Springer Verlag, 2013
  • Fachgebiet:
  • Jugendarbeit
  • Zusatzinformationen:
  • 4., überarb. und aktual. Aufl.

Rezension:

Wann immer (angehende) JugendarbeiterInnen vor der Aufgabe stehen, einen theoretischen wie praktischen Einstieg in bestimmte Themen, Ansätze, Methoden oder Rahmenbedingungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu finden, dann kommen sie bei ernsthafter Suche am "Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit" kaum  vorbei.
Die mittlerweile 4,. überarbeitete und aktualisierte Auflage kann mit einigen Neuerungen aufwarten. So wurde das 900 Seiten starke Handbuch in inhaltlich-systematischer Hinsicht völlig neu konzipiert und u.a. um wichtige empirische Erkenntnisse ergänzt.

Beeindruckend ist, dass die Anzahl an Beiträgen auf über 100 (in 17 zum Teil beträchtlich erweiterten Abschnitten) angestiegen ist. Stellvertretend für andere sollen hinsichtlich der Ausdifferenzierung die Kapitel "Themen und Praxen der Kinder und Jugendlichen" sowie "Methoden der offenen Kinder- und Jugendarbeit" erwähnt werden. Letzteres besticht  ebenfalls durch ein stark ausdifferenziertes Methodenspektrum: Neben klassischen Zugängen wie mobilen und aufsuchenden Ansätzen, haben schon bislang bedeutsame Praktiken jetzt auch „methodisch“ ihren Niederschlag gefunden. Dies beweist stellvertretend für  andere der Beitrag von Lotte Rose über „Essen und Kochen im Jugendhaus“.


Ganz allgemein ist es mit der Neuauflage gelungen, strukturelle Veränderungen und Herausforderungen in diesem sozialpädagogischen Praxisfeld auch systematisch zu berücksichtigen. Beispiele dafür bilden der völlig neue Teil VI, in dem die Schnittstellen zum Bereich Schule/Ausbildung thematisiert werden oder aber auch einzelne Beiträge wie jener Jörn Dummanns zu „Intergenerativen Einrichtungen“.

Im Kapitel VI wurde erstmalig der Versuch unternommen, aus der Perspektive der Alltagswelt der Kinder- und Jugendlichen, typische Themen als Betätigungsfelder für die Kinder- und Jugendarbeit zu skizzieren. Freilich birgt ein solcher Zugang immer auch die Gefahr der Unvollständigkeit. So ist etwa der bedeutsame Bereich der Musik als jugendkulturelle Praxis mit einem schlichten Absatz etwas zu kurz gekommen.
Auf der anderen Seite wird der hohe Anspruch der Herausgeber an verschiedenen Stellen deutlich: So wird z.B. der traditionelle Blick zu den Nachbarn (in der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Südtirol) nunmehr mit einem europäischen Vergleich (Frankreich, Niederlande, Belgien, UK, Polen) ergänzt und abgerundet.  

Fazit: ein unverzichtbares, sehr gut strukturiertes Standardwerk das die Vielfalt eines gesellschaftlich bedeutsamen Praxisfeldes aus verschiedenen Perspektiven anschaulich und lesenswert offenlegt. Aufgrund seines Alleinstellungsmerkmals ist es in seiner Bedeutung für die fachliche Identität aber auch als "Sucheinstieg" nicht hoch genug einzuschätzen.
Es hilft professionelles Handeln in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit inhaltlich-konzeptionell zu verorten und schafft damit notwendiges Orientierungswissen. Die heutigen Herausforderungen an eine fachlich qualifizierte Jugendarbeit werden aufgegriffen und in ihrer Breite dargestellt. Die Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis verfügen über langjährige Expertise. Sie zeigen einmal mehr, dass Offene Kinder- und Jugendarbeit ein wichtiger Bildungsort für Kinder und Jugendliche ist.

Die Publikation ist damit allen Fachkräften ans Herz gelegt, die sich einen theoretischen wie praktischen Einstieg in das weite Feld der offenen Kinder- und Jugendarbeit im deutschsprachigen Raum verschaffen wollen und sollte im Inventar einer Jugendeinrichtung nicht fehlen.

Rezensiert von Christian Fischer, wienXtra-institut für freizeitpädagogik

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