Cover, Remix, Sample

Das Urheberrecht schützt Werke vor Bearbeitung (Werkschutz).
Als UrheberIn dürfen Bearbeitungen deiner Werke nur mit deiner Zustimmung geschehen.
Umgekehrt musst du, willst du mit den Werken anderer arbeiten, dich erkundigen, was geht und was nicht. 

Gibt es auch Werke, die man ohne Zustimmung verwenden oder bearbeiten kann? - Ja.

  • Werke aus der „public domain“, das sind Werke, deren Schutzfrist schonabgelaufen ist (copy:right Broschüre, S. 5), können frei und ohne Zustimmung der UrheberInnen verwendet und bearbeitet werden.
  • Werke, die von dem Urheber/der Urheberin unter eine freie Lizenz wie zum Beispiel Creative Commons gestellt wurden (copy:right Broschüre, S. 20) können unter gewissen Bedingungen frei und ohne gesonderte Zustimmung der Urheberinnen verwendet und bearbeitet werden. Nähere Infos hierzu findest du auch in unserem Infoblatt "Sounds for Free".

Allerdings sind die wenigsten Werke unter solchen Lizenzen zu finden.
Für welche Arten der Nutzung muss man als MusikerIn also wen fragen?
Was ist der Unterschied zwischen Coverversion, Bearbeitung, Remix, etc.?

Beim Covern wird unterschieden zwischen Bearbeitungen und Interpretationen. Eine Coverversion ist eine Interpretation, wenn ein bereits veröffentlichtes Werk ohne große Änderungen im Stil oder der Instrumentation nachgespielt wird. Das Original wird also im Großen und Ganzen nicht verändert. Eine Bearbeitung dagegen, macht aus dem Original etwas Neues.

Spiele ich also eine Metal Nummer in einer Reggae-Version ein, wird das nicht als Coverversion durchgehen, sondern wäre bereits eine so genannte Bearbeitung.

Es gibt eine große Grauzone, ob noch eine Coverversion oder schon eine Bearbeitung vorliegt. Will man eine Coverversion veröffentlichen, ist dazu die Einwilligung des/der KomponistIn/TextautorIn notwendig. Ist die/der KomponistIn/TextautorIn Mitglied bei einer Verwertungsgesellschaft, kann sich die/der InterpretIn eine Lizenzgebühr kaufen.

Da praktisch alle kommerziell relevanten Komponist-Innen Mitglieder einer Verwertungsgesellschaft sind, heißt das in der Regel, dass für eine Coverversion auf der Bühne (oder im Radio) die Lizenz der Verwertungsgesellschaft (Aufführungsbewilligung des Veranstalters bzw. Sendebewilligung des Radios) genügt.

Auch Labels, die Coverversionen veröffentlichen möchten, zahlen den Tarif der Verwertungsgesellschaft für die CD-Pressung (Vervielfältigungsrecht).

Eine Bearbeitung ist eine Veränderung eines bestehenden Werks, bei dem eine "persönliche geistige Schöpfung" des Bearbeiters vorliegt, die Originalkomposition aber noch erkennbar ist. Für die/den BearbeiterIn des Werks entsteht ein "Bearbeitungsurheberrecht", seine Bearbeitung ist also auch urheberrechtlich geschützt.

Im Unterschied dazu ist etwa eine Kürzung eines Werks eine Veränderung, aus der kein Urheberrecht resultiert. Auch eine Interpretation, deren Freiheiten über eine Coverversion hinausgehen, bei der aber keine persönliche geistige Schöpfung gegeben ist, gilt als Werkänderung.

Für all diese Arten der Umgestaltung muss man die/den UrheberIn (in vielen Fällen vertreten durch einen Verlag) um Erlaubnis fragen, sobald man das veränderte Werk in einer der/dem UrheberIn vorbehaltenen Art verwerten möchte (siehe Verwertungsrechte).

In der Praxis erteilen Verlage die Genehmigung für eine Bearbeitung oftmals nur unter der Bedingung, dass die/der BearbeiterIn zu Gunsten der/des Original-UrheberIn/s auf die Tantiemen verzichtet, die eigentlich für sie/ihn vorgesehen wären. Das ist zwar unschön, aber rechtlich korrekt; sie könnten es ja auch gänzlich verbieten.

Für die Verwendung von Samples muss man immer die RechteinhaberInnen der Aufnahme um Erlaubnis fragen, ganz egal wie lange das Sample ist. Ob auch die Rechte der UrheberInnen betroffen sind, hängt davon ab, wie groß der Wiedererkennungswert des verwendeten Werkteils ist. Möchte man also etwa einen einzelnen Klavierton sampeln, wird das nicht in die Rechte der/des Komponistin/en des Werks eingreifen.

Aber schon bei einem ganz kurzen Vocal-Sample mit hohem Wiedererkennungswert kann das der Fall sein, vor allem wenn dieses Sample ein prägendes Gestaltungselement des neuen Songs ist.

Ein Remix ist immer eine Bearbeitung. Allerdings wird bei einem Remix nicht nur ein bestehendes Werk bearbeitet, sondern auch noch eine Aufnahme verändert. Für beides braucht es die Genehmigung der RechteinhaberInnen (UrheberIn bzw. Verlag/ InterpretInnen bzw. Label), will man den Remix verwerten.

Manchmal werden Remixes von Labels in Auftrag gegeben und die RemixerInnen erhalten eine einmalige Vergütung und keine Beteiligung an den Tantiemen. Wenn allerdings die/der RemixerIn bekannter ist als die/der Original-InterpretIn, dann stellt sich das beinahe umgekehrt dar. Es geht also bei solchen Verhandlungen auch immer um Macht, Marktwert etc.

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