Urheberrecht

Was du zum Thema Urheberrecht wissen musst – von Covern über Live-Mitschnitte bis hin zu Creative Commons.

Diese Broschüre bietet einen Einstieg in urheberrechtliche Fragen, die für MusikerInnen wichtig sind. Sobald du mit deiner Musik aus deinem Zimmer raus in die Welt willst, oder auch nur ins Internet, wird Urheberrecht wichtig.
Wem gehört der Mitschnitt von einem Konzert? Musst du deine Songs irgendwo anmelden, damit sie geschützt sind? Ist es sinnvoll, die eigenen Songs auf Soundcloud zu stellen? Darf ich auf einem Konzert ein Cover spielen?


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Wenn du Musik machst oder auch nur nutzt, solltest du unbedingt über ein paar rechtliche Grundlagen Bescheid wissen.

  • Wofür musst du um Erlaubnis fragen?
  • Wofür musst du um Erlaubnis gefragt werden?
  • Und wie hängt das alles mit der Frage zusammen, wie man mit Musik machen Geld verdienen kann?

Diese Fragen werden in Österreich vom Urheberrecht behandelt.
Dieses erste Kapitel soll dir einen Überblick darüber verschaffen.

Am Anfang des Urheberrechts steht das Werk - eine "geistig eigentümliche Schöpfung" wie es im Gesetz heißt. Ein Werk im Sinne des Urheberrechts kann ein Werk der bildenden Kunst, der Filmkunst, der Literatur oder der Tonkunst sein.

In dieser Broschüre behandeln wir die für Musik relevanten Werkarten:

  • "Werke der Tonkunst" - das sind Kompositionen bzw. Tonfolgen
  • "Werke der Literatur" - das sind die Texte bzw. Lyrics zu den Musikstücken

Songs, Lieder, Tracks etc. sind meist eine Verbindung von diesen zwei Werkarten.
Näheres hierzu findest du in der "copy:right"-Broschüre auf S. 9.

Viele Staaten haben recht ähnliche Vorstellungen von Urheberrecht, es gibt aber natürlich auch Unterschiede. So gilt z.B. die oben erwähnte Schutzfrist von 70 Jahren zwar unter anderem in der EU, den USA und Russland, aber in Kanada, China oder Japan werden gewisse Werke schon nach 50 Jahren gemeinfrei.

Durch diese Unterschiede ist die Urheberrechtsfrage nicht immer einfach, wenn das Ausland oder das Internet mit im Spiel sind.

Verletzungen des Urheberrechts werden prinzipiell nach dem Recht jenes Staates beurteilt, in dem die Verletzung stattfindet. Sprich, es ist im Regelfall unwesentlich, welche Staatsbürgerschaft die beteiligten Personen haben, oder in welchem Land das Werk ursprünglich geschaffen wurde.

Mit der globalen Reichweite des Internet gilt es von Fall zu Fall genau hinzuschauen, welche Urheberrechte welcher Länder relevant sind.

Ein Werk ist bereits geschützt, wenn es erschaffen wird und in der Außenwelt auftaucht, also etwa mit dem ersten Spielen, Aufnehmen oder Notieren des Werks. Sich ein Werk nur auszudenken und es nicht nach außen zu tragen, reicht also nicht aus.

WICHTIG: Es bedarf keinerlei Anmeldung bei einer offiziellen Stelle, um ein Werk urheberrechtlich zu schützen.

  • Werke sind bis 70 Jahre nach dem Tod der (letzten lebenden) UrheberInnen geschützt.
  • Aufnahmen sind 50 Jahre ab dem Zeitpunkt der Aufnahme geschützt. Wird eine Aufnahme innerhalb dieser 50 Jahre veröffentlicht, dann läuft der Schutz bis 70 Jahre nach der Veröffentlichung.

Danach sind die Werke und Aufnahmen gemeinfrei, d.h. jeder darf damit machen, was er/sie möchte.

TIPP: Du musst Werke zwar nirgendwo "anmelden", um sie zu schützen, aber viele MusikerInnen schicken sich selbst notierte Versionen oder Aufnahmen ihrer Werke per Post zu - eingeschrieben natürlich. Damit haben sie im Falle eines zukünftigen Rechtsstreits einen Beweis, dass das betroffene Werk zu einem bestimmten Datum bereits erschaffen war. Wichtig ist hierbei natürlich, dass das Kuvert ungeöffnet ist!

In Österreich gibt es unterschiedliche Schutzfristen für Urheberpersönlichkeitsrechte und für  Leistungsschutzrechte. Die Urheberpersönlichkeitsrechte sind bis 70 Jahre nach dem Tod des/der UrheberIn geschützt. Die Leistungsschutzrechte sind bis 50 Jahre nach Erbringen der Leistung geschützt. Danach sind Werke Teil der „public domain“, sie werden ein öffentliches Gut, über das jede/r verfügen kann. 

Das Recht bietet dir vier Möglichkeiten, welche du einklagen kannst: 

  • Unterlassung: Der Täter/die Täterin darf das, was er/sie illegal getan hat, ab demZeitpunkt der gewonnen Klage oder der (rascher erreichbaren) gerichtlichen einstweiligen Verfügung nichtmehr tun.
  • Beseitigung: sind illegal Dinge (z.B. Tonträger) erstellt worden, müssen diese vernichtet werden.
  • Angemessenes Entgelt: Der Täter/die Täterin hat dir ein angemessenes Entgelt für seine illegal erbrachte Leistung zu zahlen.
  • Schadenersatz: Ist bei dir ein ideeller oder konkreter Schaden entstanden, muss der Täter dir diesen erstatten. Der Betrag beläuft sich pauschal auf das Doppelte des angemessenen Entgelts.

ACHTUNG! Eine urheberrechtliche Klage kostet sehr, sehr viel Geld. Anwaltskosten, Gebühren, Gerichtskosten – unter einem vierstelligen Betrag geht da nichts. Ist der Sachverhalt aber klar, bietet das Urheberrecht sehr wirksame rechtliche Instrumente gegen VerletzerInnen!

Schaffst du ein Werk, so bist du auf jeden Fall der/ die UrheberIn - egal, wie alt du bist. Willst du das Urheberrecht aber ausüben (z.B. um eine Verletzung deiner Rechte einzuklagen), musst du in vollem Umfang geschäftsfähig sein. Das bist du erst mit 18.

Bist du noch nicht 18, müssen alle Verträge von einem Elternteil oder deinem sonstigen rechtlichen Vormund für dich abgeschlossen werden.

Ein Werk ist bereits geschützt, wenn es erschaffen wird und in der Außenwelt auftaucht, also etwa mit dem ersten Spielen, Aufnehmen oder Notieren des Werks. Sich ein Werk nur auszudenken und es nicht nach außen zu tragen, reicht also nicht aus.

WICHTIG: Es bedarf keinerlei Anmeldung bei einer offiziellen Stelle, um ein Werk urheberrechtlich zu schützen.

  • Werke sind bis 70 Jahre nach dem Tod der (letzten lebenden) UrheberInnen geschützt.
  • Aufnahmen sind 50 Jahre ab dem Zeitpunkt der Aufnahme geschützt. Wird eine Aufnahme innerhalb dieser 50 Jahre veröffentlicht, dann läuft der Schutz bis 70 Jahre nach der Veröffentlichung.

Danach sind die Werke und Aufnahmen gemeinfrei, d.h. jeder darf damit machen, was er/sie möchte.

TIPP: Du musst Werke zwar nirgendwo "anmelden", um sie zu schützen, aber viele MusikerInnen schicken sich selbst notierte Versionen oder Aufnahmen ihrer Werke per Post zu - eingeschrieben natürlich. Damit haben sie im Falle eines zukünftigen Rechtsstreits einen Beweis, dass das betroffene Werk zu einem bestimmten Datum bereits erschaffen war. Wichtig ist hierbei natürlich, dass das Kuvert ungeöffnet ist!

Für den Fall, dass ihr gemeinsam Songs schreibt, gibt es urheberrechtlich zwei Szenarien:

Entweder ihr seid alle MiturheberInnen des Songs und habt damit die genau gleichen Rechte oder ihr seid bloß TeilurheberInnen und habt verschiedene Rechte.

  • MiturheberInnen: Schreibt ihr einen Song gemeinsam, tragen alle Beteiligten substanziell zum Song bei und bildet der Song eine untrennbare Einheit, dann seid ihr MiturheberInnen. Ihr habt die gleichen Rechte und es müssen stets alle einverstanden sein, was mit dem Song geschieht. Legt eine/r von euch ein begründetes Veto gegen eine geplante Verwendung des Songs ein, z.B. gegen die Verwendung in einer Radiowerbung, dann kann er/sie dies rechtlich verhindern.
  • TeilurheberInnen: Lassen sich eure Beiträge zum Song untereinander trennen – zum Beispiel in Musik und Lyrics – dann seid ihr nur TeilurheberInnen. Der Songtext gilt rechtlich als separates Werk und fällt damit unter die Kategorie Literatur. Schreibt also eine/r die Musik und eine/r den Text, dann sind die beiden nur TeilurheberInnen, nicht MiturheberInnen an dem Song als Ganzen. Der Song ist in dem Fall eine „Werkverbindung“ weil er aus der Kombination von zwei unterschiedlichen Dingen besteht.

Nein. Nehmen wir als Beispiel die Beatles. Bei den meisten Beatles-Songs steht in Klammer (das sind die Urheberangaben) "Lennon/McCartney". George Harrison und Ringo Starr waren zwar Band-Mitglieder und haben an den Aufnahmen der Songs mitgearbeitet, diese aber nicht geschrieben. Es geht also um den Entstehungsprozess des Werks.

Wenn ein Bandmitglied seiner Band einen fertigen Song präsentiert, den sie später gemeinsam einspielen, ergibt sich für die anderen Bandmitglieder dadurch noch keine Urheberschaft.

Sobald ihr eine Band gründet, mit dem Ziel gemeinsam zu proben oder auch später aufzutreten und die Musik zu verwerten, gilt die Band automatisch als „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“. Das ist keine Firma im eigentlichen Sinn, sondern nur eine Personengesellschaft zu einem gemeinsamen Zweck (der auch nicht beruflich sein muss), die als solche rechtlich anerkannt ist. Dazu muss kein mündlicher oder schriftlicher Vertrag geschlossen werden. 

Einige mögliche Streitpunkte solltest du von Anfang an mit den anderen Bandmitgliedern klären und schriftlich festhalten, z.B. die Aufteilung von Einkünften und Ausgaben, die Entscheidungsfindung (einstimmig/mehrheitlich) oder was bei einer Trennung mit dem Bandnamen passieren soll.

Das Urheberrecht schützt Werke vor Bearbeitung (Werkschutz).
Als UrheberIn dürfen Bearbeitungen deiner Werke nur mit deiner Zustimmung geschehen.
Umgekehrt musst du, willst du mit den Werken anderer arbeiten, dich erkundigen, was geht und was nicht. 

Gibt es auch Werke, die man ohne Zustimmung verwenden oder bearbeiten kann? - Ja.

  • Werke aus der „public domain“, das sind Werke, deren Schutzfrist schonabgelaufen ist (copy:right Broschüre, S. 5), können frei und ohne Zustimmung der UrheberInnen verwendet und bearbeitet werden.
  • Werke, die von dem Urheber/der Urheberin unter eine freie Lizenz wie zum Beispiel Creative Commons gestellt wurden (copy:right Broschüre, S. 20) können unter gewissen Bedingungen frei und ohne gesonderte Zustimmung der Urheberinnen verwendet und bearbeitet werden. Nähere Infos hierzu findest du auch in unserem Infoblatt "Sounds for Free".

Allerdings sind die wenigsten Werke unter solchen Lizenzen zu finden.
Für welche Arten der Nutzung muss man als MusikerIn also wen fragen?
Was ist der Unterschied zwischen Coverversion, Bearbeitung, Remix, etc.?

Beim Covern wird unterschieden zwischen Bearbeitungen und Interpretationen. Eine Coverversion ist eine Interpretation, wenn ein bereits veröffentlichtes Werk ohne große Änderungen im Stil oder der Instrumentation nachgespielt wird. Das Original wird also im Großen und Ganzen nicht verändert. Eine Bearbeitung dagegen, macht aus dem Original etwas Neues.

Spiele ich also eine Metal Nummer in einer Reggae-Version ein, wird das nicht als Coverversion durchgehen, sondern wäre bereits eine so genannte Bearbeitung.

Es gibt eine große Grauzone, ob noch eine Coverversion oder schon eine Bearbeitung vorliegt. Will man eine Coverversion veröffentlichen, ist dazu die Einwilligung des/der KomponistIn/TextautorIn notwendig. Ist die/der KomponistIn/TextautorIn Mitglied bei einer Verwertungsgesellschaft, kann sich die/der InterpretIn eine Lizenzgebühr kaufen.

Da praktisch alle kommerziell relevanten Komponist-Innen Mitglieder einer Verwertungsgesellschaft sind, heißt das in der Regel, dass für eine Coverversion auf der Bühne (oder im Radio) die Lizenz der Verwertungsgesellschaft (Aufführungsbewilligung des Veranstalters bzw. Sendebewilligung des Radios) genügt.

Auch Labels, die Coverversionen veröffentlichen möchten, zahlen den Tarif der Verwertungsgesellschaft für die CD-Pressung (Vervielfältigungsrecht).

Eine Bearbeitung ist eine Veränderung eines bestehenden Werks, bei dem eine "persönliche geistige Schöpfung" des Bearbeiters vorliegt, die Originalkomposition aber noch erkennbar ist. Für die/den BearbeiterIn des Werks entsteht ein "Bearbeitungsurheberrecht", seine Bearbeitung ist also auch urheberrechtlich geschützt.

Im Unterschied dazu ist etwa eine Kürzung eines Werks eine Veränderung, aus der kein Urheberrecht resultiert. Auch eine Interpretation, deren Freiheiten über eine Coverversion hinausgehen, bei der aber keine persönliche geistige Schöpfung gegeben ist, gilt als Werkänderung.

Für all diese Arten der Umgestaltung muss man die/den UrheberIn (in vielen Fällen vertreten durch einen Verlag) um Erlaubnis fragen, sobald man das veränderte Werk in einer der/dem UrheberIn vorbehaltenen Art verwerten möchte (siehe Verwertungsrechte).

In der Praxis erteilen Verlage die Genehmigung für eine Bearbeitung oftmals nur unter der Bedingung, dass die/der BearbeiterIn zu Gunsten der/des Original-UrheberIn/s auf die Tantiemen verzichtet, die eigentlich für sie/ihn vorgesehen wären. Das ist zwar unschön, aber rechtlich korrekt; sie könnten es ja auch gänzlich verbieten.

Für die Verwendung von Samples muss man immer die RechteinhaberInnen der Aufnahme um Erlaubnis fragen, ganz egal wie lange das Sample ist. Ob auch die Rechte der UrheberInnen betroffen sind, hängt davon ab, wie groß der Wiedererkennungswert des verwendeten Werkteils ist. Möchte man also etwa einen einzelnen Klavierton sampeln, wird das nicht in die Rechte der/des Komponistin/en des Werks eingreifen.

Aber schon bei einem ganz kurzen Vocal-Sample mit hohem Wiedererkennungswert kann das der Fall sein, vor allem wenn dieses Sample ein prägendes Gestaltungselement des neuen Songs ist.

Ein Remix ist immer eine Bearbeitung. Allerdings wird bei einem Remix nicht nur ein bestehendes Werk bearbeitet, sondern auch noch eine Aufnahme verändert. Für beides braucht es die Genehmigung der RechteinhaberInnen (UrheberIn bzw. Verlag/ InterpretInnen bzw. Label), will man den Remix verwerten.

Manchmal werden Remixes von Labels in Auftrag gegeben und die RemixerInnen erhalten eine einmalige Vergütung und keine Beteiligung an den Tantiemen. Wenn allerdings die/der RemixerIn bekannter ist als die/der Original-InterpretIn, dann stellt sich das beinahe umgekehrt dar. Es geht also bei solchen Verhandlungen auch immer um Macht, Marktwert etc.

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