Gewalt

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Gewalt hat viele Gesichter und Auswirkungen: Gewalt in der Familie, Gewalt in Schule und am Arbeitsplatz, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, Drohungen, Mobbing

Gewalt ist jedes Verhalten, dass sich auf seelischer, körperlicher und sexueller Ebene schädigend auswirkt. Bei Gewalt geht es darum, die betroffene Person zu unterdrücken, zu beherrschen und zu kontrollieren.

Jeder Mensch - egal wie alt und welcher religiöse, politische oder ethnische Hintergrund - hat das Recht auf ein gewaltfreies Leben.

Es gibt körperliche und psychische Gewalt. Von Gewalt kann jede Person in jedem Alter und zu jeder Zeit betroffen sein. Eine spezielle Form der körperlichen Gewalt stellt die sexualisierte Gewalt dar.

Manche Formen von Gewalt sind sichtbar wie z.B. blaue Flecken oder gebrochene Knochen. Andere Formen wie z.B. Mobbing oder Drohungen bleiben lange vom Umfeld der betroffenen Personen unbemerkt.

Viele Menschen, denen Gewalt widerfahren ist, sprechen nicht über diese schlechte Erfahrung, sondern tun so, als wäre nichts passiert. Dadurch wird oft ein großer seelischer Leidensdruck aufgebaut und es können ernsthafte psychische Probleme entstehen.

Liebe und Zärtlichkeiten sind wichtig. Berührungen und Streicheleinheiten, die ein schönes Gefühl erzeugen, brauchen die meisten Menschen.

Es gibt aber auch Berührungen, die sehr unangenehm sind, Ängste auslösen oder wehtun. Diese Berührungen sind nicht in Ordnung. Niemand darf dich gegen deinen Willen zum Küssen, Streicheln oder Geschlechtsverkehr zwingen. Wenn du zuerst ja zu den Berührungen sagst und dich dann anders entscheidest, dann muss die andere Person das akzeptieren.

Ein NEIN heißt immer NEIN und muss ernst genommen werden. Auch Schweigen bedeutet nicht Zustimmung.

Wenn du gegen deinen Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen wirst, spricht man von sexuellem Missbrauch oder sexualisierter Gewalt. TäterInnen nutzen ungleiche Machtverhältnisse aus, um sich zu befriedigen.

Dabei geht es nicht in erster Linie um sexuelle Befriedigung, sondern um Macht über dich und deinen Körper. Die gesetzlich am härtesten zu bestrafende Form des sexuellen Missbrauchs ist die Vergewaltigung. Nicht du hast etwas falsch gemacht. Es ist immer der Täter, von dem die Gewalt ausgegangen ist.

Niemand muss in so einer Situation alleine sein. Hol dir Hilfe, lass dich beraten und wende dich an eine Opferschutzeinrichtung.

Sexuelle Belästigung ist ebenfalls eine Form von sexualisierter Gewalt. Das können Blicke sein, die sehr unangenehm sind. Worte, die Ekel erzeugen und dein Schamgefühl verletzen. Sexuelle Belästigungen beim Chatten oder am Handy, jemand der dich in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Bus "zufällig" streift.

Viele Formen der sexuellen Belästigung sind strafbar. Lass dich dazu beraten und überlege, ob du eine Anzeige bei der Polizei machen magst.

Bist du selber betroffen:

Du musst nicht cool sein, wenn dir Gewalt angetan wurde oder wird. Wehr dich, reg dich auf, erzähl anderen davon. Eine Gewalterfahrung ist kein Grund zum Schämen. Nicht du hast etwas falsch gemacht oder bist an dem Erlebten schuld. Einzig und allein die Person, die dir Gewalt angetan hat, trägt die Verantwortung für ihre Tat.

Du hast das Recht auf Notwehr - mach davon Gebrauch. Dein Körper gehört dir alleine und nur du bestimmst, wann und wer ihn berühren darf.

Hol dir Hilfe, vertraue dich FreundInnen an und wende dich an eine Beratungsstelle.

So kannst du dich schützen:

  • Geräst du in eine gefährliche Situation, dann mach auf dich aufmerksam. Versuche wegzurennen, schreie, tobe, mache Lärm.

  • Versuche dich zu wehren, wenn dich jemand angreift.

  • Familie und FreundInnen können ein Schutz für dich sein, deshalb ist es gut, wenn du dein soziales Netzwerk pflegst.

  • Höre auf deine innere Stimme. Wenn du das Gefühl hast, das etwas nicht stimmt, dann versuche dich nicht in eine gefährliche Situationen zu begeben (z.B. alleine heimgehen, in unbekannte Wohnungen mitkommen).

  • Wende dich an eine (erwachsene) Vertrauensperson, auch wenn dir der/die TäterIn droht. Es ist verboten, anderen Menschen Gewalt anzutun.

  • Erzählt eine Person davon, dass sie jemand anders Gewalt zufügen will, sag es weiter.

  • Wende dich an Beratungsstellen oder die Polizei – sie können dir helfen.


Wenn du ZeugIn von Gewalt wirst:

Auch wenn es schwer fällt oder unangenehm ist - misch dich ein und biete deine Hilfe an.

Personen, die schon seit längerem von Gewalt betroffen sind, z.B. in der Beziehung, wollen oft keine Hilfe oder Unterstützung annehmen. Meist braucht es mehrere Anläufe, um sich dauerhaft von der gewalttätigen Person lösen zu können. Selbst wenn die Gewalt massiv ist, haben Betroffene fast immer auch positive Gefühle dem Täter gegenüber. Eine endgültige Trennung braucht viel Kraft, Energie und Selbstvertrauen. Bleib dran, hör zu und sei geduldig.

Mehr Informationen über Gewalt in Beziehungen findest du auf der Homepage des Vereins Wiener Frauenhäuser.


Wenn du auf der Straße oder in der U-Bahn ZeugIn von Gewalt wirst:

  • Versuche einzugreifen.

  • Schrei "Feuer" statt "Hilfe" - darauf reagieren meist mehr Menschen.

  • Bitte andere PassantInnen um Unterstützung.

  • Ruf die Polizei unter 133.

  • Wenn du Angst hast, hör auf dein Bauchgefühl und achte auf deine eigene Sicherheit.

Egal, um welche Form von Gewalt es sich handelt: Für die Betroffenen ist es immer besser, wenn sie damit nicht alleine gelassen werden. Zeig Zivilcourage und misch dich ein.

Wirst du Opfer oder ZeugIn von rassistischer Gewalt, wende dich an die Beratungsstelle ZARA

Bist du unter 18 und erlebst Gewalt in der Familie:

Wende dich an eine volljährige Vertrauensperson. Erzähl ihr von deiner Situation und bitte sie um Unterstützung.

  • Willst du von zuhause weg, dann musst du Kontakt mit dem Amt für Jugend und Familie (MAG ELF) aufnehmen.
  • Musst du wegen akuter Gewalt sofort weg oder ist es unerträglich noch länger zuhause zu sein, wende dich an die Polizei. Die Polizei nimmt Kontakt zum Jugendamt bzw. zum Krisenzentrum auf und unterstützt dich in deiner Situation.
  • Wenn du für ein paar Tage einen sicheren Ort zum Schlafen brauchst, kontaktiere die Jugendnotschafstelle a_way.

Das Jugendamt entscheidet, ob du "fremduntergebracht" wirst. Das bedeutet, du kommst in ein Krisenzentrum und nach sechs Wochen in eine Wohngemeinschaft. Dort leben auch andere Kinder und Jugendliche, die z.B. wegen Gewalt nicht mehr bei ihren Familien leben können bzw. wollen.

In dieser Zeit wird geprüft, ob du dauerhaft oder nur vorrübergehend zu deiner Familie zurückkehren kannst. Deshalb führen deine BetreuerInnen mit deinen Eltern und dir in dieser Zeit einige Gespräche, um zu erfahren, wie es weitergehen kann.

Frauenhelpline gegen Männergewalt

  • Telefonische Beratung für Frauen, Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betrof­fen sind
  • Tel. 0800 222 555, rund um die Uhr, kostenlos

Gewaltinfo.at

  • Datenbank zur Suche nach Beratungsstelle für Gewaltopfer und nach Einrichtungen, die kostenlose Prozessbegleitung für Gewaltopfer anbieten

Kinderschutzzentrum Wien

  • Beratung für Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffenen sind

Kraftwerk

  • Beratung für Mädchen ab 16 Jahren und Frauen mit Lernschwierigkeiten, die von sexueller Gewalt betroffen sind

Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen

  • Beratung für Mädchen und Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen sind
  • Tel. 01/523 22 22

MAG ELF - Servicestelle

  • Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern bei Schwierigkeiten in der Familie, Information über das Angebot der MAG ELF (Jugendamt)

die möwe Kinderschutzzentrum

  • Beratung für Kinder und Jugendliche bei körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt

Opfer-Notruf

  • Telefonische Beratung für Menschen, die Opfer einer Straftat wurden
  • Tel. 0800 112 112, rund um die Uhr, kostenlos

Tamar

  • Beratung für misshandelte und sexuell missbrauchte Frauen, Mädchen und Kinder

24-Stunden Frauennotruf

  • Telefonische Beratung für Mädchen ab 14 Jahren und Frauen, die von sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt betroffen sind
  • Tel. 01/71 71 9, rund um die Uhr, kostenlos

Letzte Aktualisierung: April 2017

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