Buchtipps

Ich - du - wir alle! 33 Spiele für soziales Kompetenztraining

  • AutorInnen: Klein, Antonia; Schmidt Brunhilde
  • Verlag an der Ruhr, 2009
  • Fachgebiet:
  • Spielpädagogik

Rezension:

Das Buch ist von 2009 also nicht gerade der neueste Schrei, aber es versammelt kompakt Spiele, die jede_r brauchen kann, der Gruppensituationen spielerisch gestaltet, nicht nur im Zuge von sozialem Kompetenztraining. Es richtet sich an Kinder zwischen 10 und 15 Jahren und bietet auf 87 Seiten eine kompetente Einführung mit ausgewählten Anregungen.

Begonnen wird mit einer Einführung, in der darauf eingegangen wird, warum soziale Kompetenzen so wichtig sind, warum überhaupt gespielt wird, was ein Spiel braucht, wie das Buch aufgebaut ist und es wird auf die Reflexion als zentraler Bestandteil eingegangen. Den Abschluss der Einleitung bietet eine Checkliste, wo wichtige Fragen bezüglich Vorüberlegungen (Welche Spiele eignen sich? Welches Material benötige ich? Welcher Raum ist geeignet? ...) und Hinweise bezüglich Durchführung (freundliche auflockernde Begrüßung … Anfang deutlich, Ende rechtzeitig ankündigen … zusammen aufräumen) angeführt sind.

Anschließend folgen 6 Kapitel mit diversen Spielbeschreibungen und Anregungen zu verschiedenen Themen. Fein ist, dass es recht übersichtlich Spiele in 6 Kapitel zuteilt: Zume Warmwerden, ICH, ICH und DU, WIR, Ich probiere mich aus, Transfer in den Alltag.

Spiele zum Warmwerden sind in jeder Gruppensituation hilfreich und fein, viele der hier genannten sind Klassiker z.B. Name-Adjektiv-Spiel, Pferdewettrennen oder Lieblingspilz. Gut find ich, dass hier auch auf den Stuhlkreis stellen eingegangen wird, dass die Spiele mit knapp aber klar erklärt werden und bei jedem Spiel angeführt wird, worum es geht, welche Sozialform es benötigt, was vorbereitet werden muss und wie viel Zeit es in Anspruch nimmt.
Unter dem Kapitel ICH werden 4 Spiele vorgestellt, die dazu anregen, ein bisschen von sich zu zeigen und mit anderen in Kontakt zu kommen sowie eine Fantasiereise zum „Lieblingsplatz“. Die genannten Spiele sind einfach durchzuführen, benötigen ganz unterschiedliche Zeitressourcen und fördern auch die Kreativität. Besonders nett finde ich hier das Spiel von der Rolle, wo eine WC-Papierrolle zum Einsatz kommt.  

Im Kapitel ICH und DU geht es darum, sich anhand von 5 Spielen besser kennenzulernen, sehr sinnvoll, um Cliquenbildung nicht zu stark werden zu lassen. Eine Fragerunde wird anhand von 20 Fragen veranschaulicht, wie z. B. „Was wünschst du dir im Moment am meisten?“ Oder „Was nervt dich ganz besonders?“ Nett finde ich hier das Persönlichkeitsbingo mit Sachen wie „Mag die Farbe rot“, „Ist einfühlsam“ oder „Guckt Soaps“ oder das Spiel „Sich vorstellen und andere erraten“.

Unter dem Kapitel WIR sind 8 Spielideen angeführt, bei denen die Gruppe in Bewegung kommt und wo es aber nicht um Gewinner_innen sonder um das gemeinsame Lösen einer Aufgabe geht. Die hier genannten Spiele fallen also unter die Rubrik kooperative Spiele. Fein finde ich, dass die meisten hier genannten Spiele auch gut im Klassen- oder Gruppenraum möglich sind und keine besonderen Materialien benötigen, z. B. „Alle in einer Reihe“ oder „Stühle kippen“. Spiele wie „Die kooperative Reise nach Jerusalem“ oder „Der Krokodilsteich“ sind Spiele, bei denen die Gruppenstrukturen zutage treten und man viel über Hierarchien und Rollenzuteilungen erfahren und damit auch ansprechbar und reflextierbar machen kann. Vorweggenommen sei, dass natürlich auch eine passende Reflexionsmethode (Das Fahrrad) im nachfolgenden Kapitel mitgeliefert wird.

„ICH probiere mich aus“ ist der Titel des nächsten Kapitels. Hier geht es darum, wie man sich und andere in Gruppensituationen erlebt. Neben kreativen Spielen, wie z. B. „Das fliegende Ei“, das jede_r einmal ausprobiert haben soll, weil es so herrlich auflockern kann, geht es hierbei auch um die Reflexion von Gruppenprozessen z. B. mit der Fahrrad Methode oder um deren Gestaltung durch Regeln z. B. mit dem „Gruppenmandala“. Leider sind hier nur 4 Ideen angeführt, aber diese eröffnen Möglichkeiten, andere Spiele durch Regeln umzugestalten. Den Fokus überhaupt auf Reflexion von Gruppenprozessen zu legen finde total wichtig, da es eine wunderbare Möglichkeit ist, der Weisheit der Gruppe Raum zu lassen und dadurch Rollenzuschreibungen zu lockern und Hierarchien besprechbar zu machen. Bei Spielen kann man ganz unterschiedliche Aspekte der Persönlichkeit erleben, Neues ausprobieren oder erfahren, wie sich unterschiedliche Rollen anfühlen. Diese Erfahrungen in den Alltag zu überführen ist wichtig und bei sozialen Kompetenztraining wesentlich. Daran knüpft das Kapitel „ TRANSFER in den Alltag“ an. Neben bekannten Methoden wie z.B. „Brief an  mich selbst“ oder „Koffer packen“, werden hier 3 weitere Anregungen beschrieben. Mir persönlich gefiel „Unsere Schritte in den Alltag“, weil dabei als Gruppe gemeinsam Schritte in die gewünschte Richtung überlegt werden. „Nützliches und Informatives zum Schluss“ skizziert neben Gruppenbildungsmethoden, Abschlussmöglichkeiten und geht kurz auf destruktive Prozesse und Verweigerungstendenzen ein.

Rezensiert von Brigitte Vogt, Mitarbeiterin der wienXtra-kinderinfo

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