und action! Zeig was dich bewegt (Kooperation mit der Wiener Gesundheitsförderung)

Bericht über das Projekt „und action. Zeig was dich bewegt!" Gesundheits- und Medienkompetenzen von  Jugendlichen stärken, in Kooperation mit  der Wiener Gesundheitsförderung.

Im Frühjahr 2014 kam die Wiener Gesundheitsförderung auf das Medienzentrum mit einer Kooperationsanfrage zu. Frau Mag.a Ingrid Spicker und ihr Team Gesunde Stadt – Gesunde Regionen war daran interessiert neue Wege in der Gesundheitsförderung für die Zielgruppe Jugendliche einzuschlagen. Im Rahmen eines Pilotprojekts, sollte ein Konzept entwickelt werden, das zum Ziel hatte, die Gesundheits- und Medienkompetenz von Jugendlichen zu stärken. Die Laufzeit des Projekts, das aus Mitteln des Landesgesundheitsförderungsfonds finanziert werden sollte, wurde auf drei Jahre veranschlagt (1.1.2014 - 31.12.2016). Hauptzielgruppe des Projekts sollten Jugendliche sein, die aus eher bildungsbenachteiligten Verhältnissen kommen und in Wien einen Berufsorientierungs- oder Hauptschulabschlusskurs besuchen. 

Die Grundidee des Teams der Gesundheitsförderung war es, dass bei dem Projekt mit dem Medium Video gearbeitet werden sollte und dass die Jugendlichen selbst Kurzfilme, Videoclips zu dem Thema Gesundheit produzieren sollten. Eine Idee die das Team des Medienzentrums gerne aufnahm und ein medienpädagogisches Grundkonzept für ein erstes Projekt konzipierte. Um die Themen Gesundheit und Medien zusammen zu bringen, brauchte es aber noch einen Kooperationspartner, der die Expertise und Ansätze der Gesundheitsförderung in das Projekt einbringen konnte. Die Wiener Gesundheitsförderung engagierte hierfür den Verein queraum Kultur- und Sozialforschung. Im Juni kam es zu einem ersten Treffen mit Elisabeth Mayr und Michael Stadler-Vida vom queraum Team und gemeinsam wurde ein Zeitplan für das erste Pilotprojekt, das noch im Herbst 2014 stattfinden sollte, entwickelt. Schon beim ersten Treffen wurde klar, dass das Team von queraum ähnliche Vorstellungen hatte. Gemeinsam mit dem Projektleiter Hannes Heller wurde ein Konzept für die Projektwoche entwickelt, das sowohl die Gesundheitsaspekte als auch die Perspektive der Medienkompetenz berücksichtigte. Grundidee war es, dass eine Projektgruppe jeweils von einer/einem Gesundheitsexperten/In und einer/einem MedienpädagogIn über die gesamte Projektwoche begleitet wird. Dadurch sollte es gewährleistet werden, das sich die TeilnehmerInnen sehr individuell dem Thema Gesundheit annähern können und andererseits  über das Kennenlernen der Technik und der filmischen Gestaltungsmöglichkeiten eine Idee für die filmische Umsetzung entwickeln können.  In der Vorbereitung recherchierte das querraum Team andere Projekte im Bereich der Gesundheitsförderung. Das Team vom wienxtra-medienzentrum  wiederum gab einen Detailreichen Einblick in die medienpädogische Arbeit, indem zwei vergangene Projekte vorgestellt wurden, die ebenfalls einen Themenschwerpunkt hatten. Aus der Recherche resultierte auch die Entscheidung, dass die Workshops in geschlechtshomogenen Gruppen stattfinden sollten, da Mädchen und Burschen ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Thema Gesundheit haben. 

Als freie MitarbeiterInnen für die Projektdurchführung konnten Thomas Adrian und Renée Frauneder gewonnen werden, was aus Medienzentrumsperspektive die Idealbesetzung war. Renée und Tom verfügen beide über langjährige Erfahrung in der medienpädagogischen Arbeit mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen. Auch das Querraum Team fand mit Stefan Ferchner einen Projektmitarbeiter, der sich mit den Themen der Gesundheitsförderung sehr gut auskannte.

Da das Medienzentrum über vielfältige Kontakte zu Organisationen der Berufsorientierung verfügte, wurde schon im Juni vereinbart, dass Anu Pöyskö die Partnerorganisationen anspricht. Durch die sehr knappe Vorbereitungszeit war es allerdings sehr schwierig einen Kooperationspartner zu finden, der noch im Herbst bei dem ersten Pilotprojekt mitmachen konnte. Das Interesse war im allgemeinen sehr hoch, doch für die meisten war die Anfrage zu kurzfristig. Mit dem Hauptschulabschlusskurs von Wuk m.power wurde dann in letzter Minute noch ein Kooperationspartner gefunden. Das Projekt passte für Wuk M.power perfekt in den den Unterrichtsplan, da das Team schon ein Modul Gesundheitsförderung vorgesehen hatten. Außerdem kannten sie die Arbeitsweise des Medienzentrums schon, weil sie im Frühjahr mit einer anderen Gruppe bereits ein Videoprojekt  gemacht hatten, und sehr begeistert waren.  Sebastian Beer von Wuk m.power war dann bei den folgenden Vorbereitungstreffen immer dabei, was eine sehr große Hilfestellung war, weil so die Methoden perfekt auf die Gruppe abgestimmt werden konnten.

Von der Wiener Gesundheitsförderung wurde auch eine Evaluation des Pilotprojekts in Auftrag gegeben, den Zuschlag bekam das Markt- und Meinungsforschungsinstitut SOZAB, mit dem vor dem Projekt ein Zieleworkshop stattfand. Während des Projekts war geplant den Prozess durch Fragebögen,  Interviews mit den Jugendlichen und BetreuerInnen und durch begleitende Beobachtung zu evaluieren.

Dann war es endlich soweit.  Das Projekt begann mit einem Vorbereitungstermin ein paar Tage vor der eigentlichen Workshopwoche. Dieser Termin kam auf Grund der Beratung des Wuk Teams zustande, da sie wussten, dass die Jugendlichen durch die Information motiviert werden konnten an der Workshopwoche teilzunehmen. Ursprünglich war geplant, dass die maximale Gruppengröße bei ca. 12 Jugendlichen (Pro Gruppe) liegen sollte. Da das Team von Wuk m.power davon ausgingen, dass  etwa 2/3 der Jugendlichen am Projekt teilnehmen werden  – alle besuchen den Kurs auf freiwilliger Basis und Projekte werden, aus Erfahrung des Wuk Teams, oft als willkommene Auszeit gesehen – waren  alle überrascht, als  am ersten Projekttag fast alle Burschen anwesend waren, damit hatte niemand gerechnet. Für die beiden männlichen Workshopleiter war das eine große Herausforderung, da sie nun mit 20 Burschen konfrontiert waren.  Die Mädchengruppe war mit 8 TeilnehmerInnen eher überschaubar, aber auch hier waren  mehr als 2/3 der KursteilnehmerInnen gekommen. Ein Zitat aus dem Evaluationsbericht von SOZAB gibt einen guten Anhaltspunkt dafür, warum die Jugendlichen von Anfang an so intensiv beim Projekt dabei waren:

„Die Jugendlichen in beiden Gruppen durften ihre Rolle als ExpertInnen wahrnehmen, in erster Linie in der Wahl und der Umsetzung ihres Filmthemas. Dadurch, dass sie ihr Thema selbst umsetzen wollten, ‚waren sie voll dabei’ und sind auch gerne und regelmäßig gekommen. Selbst das WUK hat nicht damit gerechnet, dass so viele Jugendliche so konstant kommen. Daher kann man davon ausgehen, dass sie ihre Rolle auch selbst angenommen haben und auch deshalb mehr Zeit investiert haben, als eigentlich geplant war.“ (Seite 18-19)

Am ersten Tag ging es vor allem darum, dass die Jugendlichen einen Zugang zum Thema Gesundheit finden konnten, was durch ein gemeinsames Brainstorming begann.

„Beim gesundheitsbezogenen Aspekt erscheint die Wahl des Begriffes ‚Wohlbefinden’ als Zwischenschritt essentiell, um die Jugendlichen nicht von einer Teilnahme abzuschrecken und damit sie die Motivation nicht verlieren. Aus Sicht des WUK sowie aus Sicht der TrainerInnen wurde hierzu angemerkt, dass es für die Jugendlichen eine wichtige Rolle spielt, ihnen keine ‚klassischen’ Gesundheitsthemen vorzugeben, sondern die Jugendlichen die Themen selber wählen zu lassen. Dieses selbst gewählte Thema sowie das damit einhergehende Interesse der Jugendlichen an dem, was sie in der Workshop-Woche produzieren, hat sie am Ball gehalten.“ (Seite 18)

Gleich am ersten Tag lernten die Jugendlichen auch das Videoequipment kennen. Am zweiten Tag ging es dann darum aus den gesammelten Themen, Ideen für den Film auszuwählen. Durch die Gruppengröße bei den Burschen, kam es dann dazu, dass nicht nur eine Idee sondern gleich drei Ideen entwickelt wurden. Aber auch in der Mädchengruppe kristallisierten sich 2 Filmideen heraus. Durch die gute Abstimmung der ProjektbetreuerInnen konnten am dritten Tag alle Filme verwirklicht werden. Durch die Tandem-Teams waren auch Zwischenreflexionen der Projekttage möglich, in denen die Jugendlichen sich immer mehr den BetreuerInnen öffneten und  Beziehung aufbauen konnten.

 „Den WorkshopleiterInnen ist es gelungen, den Jugendlichen das Gefühl des ‚Protagonisten-daseins’ zu vermitteln.“ (Seite 15)

Die ersten drei Tage fanden in den Räumlichkeiten von Wuk m.power statt. Am vierten Tag ging es dann für den Schnitt der Filme ins wienxtra-medienzentrum.  Gruppendynamisch wuchs die Gruppe immer mehr zusammen.

„In beiden Gruppen zeigte sich, dass die TeilnehmerInnen während der Woche an Selbstvertrauen gewannen und eine Art ‚Gemeinschafts-Gefühl’ entwickelten, welches vorher noch nicht vorhanden war. Dieser Eindruck wurde auch in den Interviews mit der Zielgruppe selbst gewonnen – für eines der Mädchen war es zum Beispiel besonders schön, wie sehr Vertrauen in sie gesetzt wurde und ihre Anliegen Gehör gefunden haben. Während der Workshop-Woche hat sie sich immer mehr getraut ihre Meinung zu sagen und fühlte sie nach eigener Aussage in der Gruppe dann immer wohler.“ (Seite 17)

Am letzten Tag wurden die Filme fertiggestellt und die Burschen und Mädchen präsentierten ihre Filme zum ersten mal der gesamten Gruppe. Es war erstaunlich wie vielfältig die Produktionen ausgefallen sind. Die Burschen entwickelt eine sehr nette Idee, die an ihren Wünschen von einer gelingen Zukunftsperspektive anknüpfte. Die beiden weiteren Filme der Burschen waren Spielfilme, die im Gangmilieu angesiedelt waren. Einer durchaus humorvoll, der andere sehr ernst. Auch die Mädchen griffen mit einem Spielfilm über KO-Tropfen ein sehr ernstes Thema auf. Der zweite Film drehte sich um das Thema Ausgrenzung und Vorurteile. Insgesamt sind total interessante Filme entstanden!

„Dass die Jugendlichen sehr stolz waren auf das, was sie in der Workshop-Woche geschaffen haben, war sowohl von Seiten der Jugendlichen selbst wie auch von Seiten der Leitung und des WUK zu hören.“ (Seite 19)

In der ersten Präsentation zeigte sich, dass es eine sehr gute Entscheidung war, dass die Mädchen in einer eigenen Gruppe gearbeitet haben. Die Burschen waren bei der Präsentation zwar respektvoll gegenüber den Mädchen, kritisierten aber auch sehr viel an ihren Produktionen. Da merkte man, dass bei den Jugendlichen  sehr patriarchale Ansichten vorherrschten. Die interne Präsentation war aber noch nicht das Ende des Projekts. Eine Woche später fand ein eigener Reflexionstermin statt, bei dem die Erfahrungen der Jugendlichen nochmals ausführlich besprochen wurden. Außerdem kam im zweiten Teil die Moderatorin Clara Stern bei der Gruppe vorbei, um die halböffentliche Präsentation, die eine Woche später stattfinden sollte, vorzubereiten.

Am 11. Dezember war es dann soweit und die halböffentliche Präsentation ging im Medienzentrum über die Bühne. Neben den Jugendlichen und den ProjektmitarbeiterInnen waren auch noch die Projektverantwortlichen der Wiener Gesundheitsförderung, weitere Jugendliche von wuk m.power aus anderen Gruppen und KollegInnen vom wienxtra-medienzentrum dabei. Die Jugendlichen waren trotz des kleinen Rahmens sehr aufgeregt. Clara Stern moderierte sehr charmant und fast alle Jugendlichen trauten sich zumindest einige Fragen zu beantworten. Die MitarbeiterInnen der Wiener Gesundheitsförderung waren sehr begeistert. Auch die Jugendlichen waren sehr glücklich, da sie ein Zertifikat und ein Geschenk (Kinogutschein) bekamen. Abschließend gab es bei einem Buffet noch nette Gespräche und das Projekt fand einen würdigen Abschluss.

Aufgrund der sehr positiven Erfahrungen aus dem Pilotprojekt ist mittlerweile fixiert, dass das Projekt bis 2016 weitergeführt wird und mit bis zu 6 weiteren Gruppen wiederholt werden soll.   Zusätzlich soll aus dem Projekt Schulungsmaterial für die Ausserschulische Jugendarbeit  den Schulunterricht zum Thema Gesundheitsförderung entwickelt werden, in das die entstandenen Filme eingebettet werden sollen, damit noch mehr Jugendliche von dem Projekt profitieren können.

In Kooperation mit
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