Interview

Geschäftsführungswechsel bei wienXtra

 

Mit 1. Juni übergibt Andrea Heuermann die Geschäftsführung von wienXtra an Vucko Schüchner. Lesen Sie mehr über Erinnerungen, neue Pläne und was ihre Herzen klopfen lässt. 

Nach 16 Jahren Geschäftsführerin, worauf bist du stolz Andrea?

Andrea: Auf viele tolle Veranstaltungen und Angebote und dass hinter dem, was wir tun, echte Qualität steht. Ich bin auch sehr stolz auf unsere engagierten Mitarbeiter_innen und auf die Weiterentwicklung der Organisationsstruktur. Das macht mir beim Rückblick große Freude.

Was nimmst du dir als neuer Geschäftsführer vor?

Vucko: wienXtra steht wirklich gut da. Da setze ich an und das will ich weiterentwickeln. wienXtra hat ein Netzwerk der Expert_innen und soll unverzichtbarer Partner der Stadt sein bei allem, was für Kinder und Jugendliche gemacht wird. Ich will, dass wir auch dezentral aktiv sind, mit der Dependance in der Seestadt machen wir einen Anfang. Da kann’s aber auch um temporäre Angebote gehen. Auf jeden Fall sollen auch Kinder, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind, die Qualität der wienXtra-Angebote erleben und genießen können.

Was hat in deiner Arbeit dein Herz berührt?

Andrea: Wenn ich auf den Veranstaltungen die Freude der vielen unterschiedlichen Besucher_innen gesehen habe und wenn das Zusammenspiel backstage einfach im Flow war. Die 4-Tage GAME CITY sind da so ein Beispiel. Da hab ich Eltern mit Kinderwagen gesehen, begeisterte 6-jährige und zigtausende junge Erwachsene. Da ein Teil der Veranstaltung zu sein, das war für mich immer fast wie ein Rausch.

Vucko: Mir ist’s bei den wienXtra-Spieltagen im Rathaus so gegangen. Und überhaupt, dass wienxtra das Rathaus immer wieder für junge Leute bespielt, das ist schon sehr besonders.

Was lässt sonst dein Herz klopfen Vucko?

Vucko: Die ganze Aufgabe ist schon eine Riesensache. Ich freu mich auf die lustigeren Aufgaben, wie Angebote weiterentwickeln, genauso wie auf die staubigeren wie Verwaltung, Rechtliches, auf’s Geld schauen. Und ich freu mich, mit den vielen Menschen, die ich von wienxtra bereits kennengelernt habe, zusammenzuarbeiten.

wienxtra in 10 Jahren?

Vucko: Ich bekomme Gänsehaut beim Gedanken, wenn’s uns gelingt, dass sich junge Menschen durch wienXtra noch aktiver in der Stadt beteiligen, wenn sie sich politisch einbringen, wenn wir sie fordern. Die Werkstadt Junges Wien, die wienXtra ja stark unterstützt, ist da bereits ein Vorbildprojekt. Und ich will, dass wir als Partner für die Jugendarbeit die Zivilgesellschaft stützen und zur Chancengerechtigkeit beitragen.  

Was habt ihr als Kinder gern gemacht?

Andrea: Ich bin in einem 1300 Einwohner_innen-Dorf in Norddeutschland aufgewachsen. Ich war viel im Wald und hab mich immer bewegt, Ball gespielt, Rad und Rollschuh gefahren, auf Bäume geklettert. Und ich hab sehr gern gelesen, Grimms Märchen, ein Buch, das ich von meiner Oma bekommen habe, mochte ich sehr und Astrid Lindgren.

Vucko: Ich bin auch am Land aufgewachsen, zuerst in einem Dorf, dann in der Kleinstadt Vöcklabruck. Ich war schon als 4-Jähriger allein in der Umgebung unterwegs. Mit 8 Jahren hab ich eine Au besetzt, damit auf unserem Spielterrain keine Häuser gebaut werden. Meine erste politsche Aktion. Wir haben auch Transparente gemalt.

Andrea: Woher hast du gewusst, dass ihr Transparente braucht?

Vucko lacht: Das hat der Cheesie gesagt, dass wir die brauchen.

Andrea: Und wart ihr erfolgreich?

Vucko: Nein, die Wohnhäuser wurden gebaut, aber es gab ehrlich gesagt, rundherum ausreichend riesigen Wald für uns.

Hättet ihr als Kinder gern in Wien gelebt?

Andrea: Ehrlich gesagt, mit meiner Sozialisation als Landkind, kann ich mir das schwer vorstellen. Als Jugendliche hätte ich Wien natürlich super gefunden.

Vucko: Wenn ich bei meiner Tante in Wien auf Besuch war, war das immer wahnsinnig aufregend. Da gab’s sogar Rolltreppen. Die sind wir rauf- und runtergefahren. Und ich war da auch schon bei einem riesigen ferienspiel-Fest auf einer Wiese, ich glaub die Jesuitenwiese. Das war ein einziges Paradies für mich, mit Hüpfburgen, Clowns und was weiß ich noch alles.

Andrea, dein Sohn ist bereits erwachsen und berufstätig, Vucko du hast eine 13-Jährige und einen 17-Jährigen. Was hat euch als Eltern in Wien bei der Freizeitgestaltung besonders gefordert?

Andrea: Ich darf’s gar nicht laut sagen, aber mein Sohn hat in einem niederösterreichischen Verein – dem FC Purkersdorf - gespielt. Ich habe jahrelang viele Wochenenden auf meistens niederösterreichischen Fußballplätzen verbracht.

Vucko: Dieser Kelch ist an mir vorüber gegangen, da bin ich echt dankbar.

Andrea lacht: Ich hab das geliebt, einmal hatten wir sogar ein Match an der tschechischen Grenze.. Das Ganze war super.

Vucko: Wien hat ja so viele gute Angebote für Kinder, manchmal hatten wir da fast Freizeitstress. Aber da gibt’s ja glücklicherweise eine wienxtra-kinderinfo. Dort hab ich immer Folder und Infos eingesammelt und dann haben wir eine Struktur gehabt.

Wollt ihr euch noch gegenseitig was sagen?

Andrea: Was ich bis jetzt gesehen habe, sagt mir, du machst das ganz ausgezeichnet. Du redest mit allen, du verschaffst dir Überblick, du bist bei großen wichtigen Projekten wie die Dependance in der Seestadt schon voll drin. Ich wünsch dir alles alles Gute!

Vucko: Danke, ich kann nur retour geben. Eine tolle Übergabe, eine super Einführung und ich fühle mich sehr herzlich aufgenommen, das macht es leicht und das macht es so nett. Danke für alles! 

 

 

 

Andrea Heuermann, 60 Jahre: Diplom-Sozialarbeiterin, viele Jahre beim Verein Wiener Jugendzentren, u.a. als pädagogische Fachbereichsleiterin, 16 Jahre lang Geschäftsführerin von wienXtra, mit 1. Juni 19 geht sie in Pension.

Vucko Schüchner, 44 Jahre: Medienpädagoge, war mehrere Jahre in der MA 13-Fachbereich Jugend für Partizipation zuständig, dann u.a. im Kabinett des Bildungsministeriums und Leitung der Bildungsabteilung in der Arbeiterkammer Wien. Mit 1. Juni 19 übernimmt er die Geschäftsführung wienXtras.

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