Motivierende Gesprächsführung mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen

  • AutorInnen: Sylvie Naar-King, Mariann Suarez
  • BELTZ, Weinheim 2012
  • Fachgebiet:
  • Jugendarbeit

Rezension:

Motivierende Gesprächsführung (Change Talk genannt) geht zurück auf William Miller und Stephen Rollnick, die das Konzept 1991 begründet haben. Verwurzelt ist diese Methode in der klientenzentrierten Gesprächstherapie nach C. Rogers, unterscheidet sich aber auch von ebendieser.

 

Sie besteht aus zwei Anteilen:

  1. einer Beziehungskomponente, die die Verwendung von Empathie und die spezielle Grundhaltung von Motivierender Gesprächsführung beinhaltet

  2. einer technischen Komponente, bestehend aus speziellen Fähigkeiten zum Hervorrufen und Verstärken von Änderungssequenzen (Change Talk), (Miller & Rose, 2009)

     

Zur Grundhaltung -  die Do’s und Don’ts in der Motivierenden Gesprächsführung:

Dos

Don’ts

Autonomie unterstützen; Anleiten

Verantwortung oder Kontrolle übernehmen, vorschreiben

Unterschied zw. den Zielen/Werten des Jugendlichen und seinem Verhalten aufzeigen

externe Anforderungen oder Gründe, sein Verhalten zu ändern betonen

aktives Zuhören und das Gespräch nicht abreißen lassen

überzeugen oder interpretieren


Motivierende Gesprächsführung hat das Hervorbringen von eignen inneren Motivation eines Menschen für die Veränderung im Fokus. Solange nämlich eine Veränderung nicht in den eigenen Interessen einer Person begründet ist, wird sie nicht stattfinden.

Den Autoren gelingt es hervorragend, die einzelnen Schritte im Gesprächsprozess (von Zweifeln am Bisherigen und dem Wunsch nach Veränderungen, zu selbstverpflichtenden Vereinbarungen und letztendlich zur tiefgreifenden Umsetzung) aufzuschlüsseln und mit praktischen Beispielen zu untermauern.

Da Motivierende Gesprächsführung bei Jugendlichen mit Alkohol- und Drogenabhängigkeit, bei der Behandlung von Essstörungen, psychischen und/oder chronischen Erkrankungen, sowie in der Schule oder in der Familientherapie eingesetzt werden kann – findet sich im Inhaltsverzeichnis je ein Kapitel dazu.

Ein gesondertes Kapitel ist dem Umgang mit Widerstand von Seiten des/der Jugendlichen gewidmet. Motivierende Gesprächsführung bietet hierzu ein fruchtbringendes, weil wertschätzendes Gesprächs-Konzept.

Der letzte Teil ist ein Reflexionsteil mit Impulsen zur eigenen Beratungspraxis.

Jeder der seinen Umgang mit Heranwachsenden professioneller gestalten möchte, tut gut darin,
in dieses Buch hinein zu schmökern. Letztendlich kommt es– wie so oft- doch auf die Qualität der Interaktionen, also auf die zwischenmenschliche Beziehung an. Leben ist Wandel und Veränderung! Dies sensibel begleiten zu können, gehört zum pädagogischen Dasein/Berater- und Coach- Dasein dazu.

Lydia Schadlofsky

 

In Kooperation mit
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