Was sind Versicherungen? Welche Versicherungen gibt es? Wo muss ich versichert sein?

Früher oder später ist es wichtig, sich mit dem Thema Versicherungen auseinanderzusetzen. Versicherungen schließt man ab, um sich gegen Gefahren finanziell abzusichern. Hier geben wir dir einen Überblick zum Thema Versicherungen.


Inhalt:


Wie funktioniert eine Versicherung?

Versicherungen schließt man ab, um sich gegen Gefahren finanziell abzusichern. Du zahlst regelmäßig einen Betrag (“Prämie”) an eine Versicherungsanstalt und bist für eine gewisse Gefahr (“Risiko”) abgesichert. Falls ein versichertes Risiko tatsächlich eintritt, bekommst du den Schaden von der Versicherung ersetzt.

Viele Leute zahlen kleine Beträge („Prämien“) an eine Versicherung, die dann jenen Leuten den versicherten Schaden ersetzen, bei denen ein Versicherungsfall eintritt. Statistisch gesehen wird das nie bei allen Leuten gleichzeitig passieren, sondern nur bei ein paar wenigen. So ist für Schadensfälle genug Geld da.


Welche Versicherungen gibt es?

Es gibt für so gut wie alle Arten von Gefahren auch Versicherungen. Manche Versicherungen sind sogar verpflichtend. Pflichtversicherungen sind Versicherungen, die gesetzlich vorgeschrieben sind und die du unter bestimmten Voraussetzungen haben MUSST:

  • Wenn du arbeitest und angestellt bist: Sozialversicherung (Unfall-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pensionsversicherung) 
  • Wenn du ein Moped oder Auto hast: Kraftfahrzeug (Kfz)-Haftpflichtversicherung - sie deckt Schäden, die du im Straßenverkehr anderen VerkehrsteilnehmerInnen zufügst.
  • Wenn du in besonderen Berufen arbeitest, z.B. als Arzt/Ärztin oder als Rechtsanwalt/Rechtsanwältin, brauchst du eine Berufshaftpflichtversicherung.

Sozialversicherung

In Österreich gibt es ein Sozialversicherungssystem. Dieses ist sehr wichtig, da es die wichtigsten Lebenslagen für alle Personen abdecken soll.

Die Haupt-Säulen des Sozialversicherungssystem sind:

  • Kranken- und Unfallversicherung: Benötigst du medizinische Behandlung oder Therapie, übernimmt das die Krankenkasse bzw. Unfallsversicherung.
  • Arbeitslosenversicherung: Wenn du deinen Job verlierst, bekommst du Arbeitslosengeld von der Arbeitslosenversicherung.
  • Pensionsversicherung: Sobald du in Pension bist, zahlt dir die Pensionsversicherungsanstalt deine Pension aus.

Diese Versicherungen sind staatlich organisiert und funktionieren nach dem "Solidaritätsprinzip". Das bedeutet: Alle, die einen Job haben und daher in das System der Sozialversicherungen einzahlen, zahlen für jene, die das gerade nicht können bzw. nicht mehr können. Wenn man jung ist zahlt man meist mehr ein, als man zurückbekommt. Jedoch ändert sich das im Laufe des Lebens bzw. kann es sich manchmal leider sogar sehr schnell ändern, z.B. wenn man einen Unfall oder eine schwere Erkrankung hat.

Für all diese Versicherungen wird dir von deinem Lohn bzw. Gehalt ein sogenannter Sozialversicherungsbeitrag abgezogen. Dieser orientiert sich an der Höhe deines Gehaltes. Verdienst du mehr, zahlst du höhere Sozialversicherungsbeiträge als jemand, der wenig verdient.

Ein gut funktionierendes Sozialversicherungssystem ist ein wichtiger Teil in der österreichischen Gesellschaft und international sehr angesehen. Das Sozialversicherungssystem hilft allen Menschen, sich vor Risiken (Krankheiten, Unfälle, Arbeitslosigkeit etc.) zu schützen und das Sozialversicherungssystem finanziert unter anderem Krankenhausaufenthalte, Medikamente und Rehabilitation (Maßnahmen um wieder gesund zu werden).


Wann bin ich wo sozialversichert?

Jugendliche bis 18 Jahre sind in der Regel automatisch bei ihren Erziehungsberechtigten mitversichert. Außer jene, die schon ein Lehre haben, die sind durch ihren Lehrvertrag schon selbst bei der Sozialversicherung gemeldet und somit Selbstversichert. Jugendliche und junge Erwachsene über 18 Jahre können sich weiterhin bei ihren Erziehungsberechtigen mitversichern oder bei Ehepartner*innen, falls sie verheiratet sind.

Jedoch müssen hierbei Vorrausetzungen erfüllt sein:

  • Der Jugendliche bzw. junge Erwachsene muss sich noch in einer Ausbildung befinden (Schule, Universität, Fachhochschule etc.),
  • nicht älter sein als 26 Jahre
  • und kein Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze von 500,91 haben (2023)

Ab dem 27. Geburtstag ist keine "Mitversicherung" mehr möglich, selbst wenn du dich noch in einer Ausbildung befinden solltest.
Junge Menschen, die auf Arbeitsuche sind, können bis zu 24 Monate ab dem 18. Geburtstag oder ab dem Ende einer Schul- oder Berufsausbildung mitversichert werden. Besteht Anspruch auf Arbeitslosengeld wird man über das AMS krankenversichert.
Kann man sich nicht mehr bei den Eltern mitversichern lassen, hat keinen Job und keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, so musss man sich in Wien über die MA40 versichern lassen.

Egal in welcher Situation man sich gerade befindet, die Krankenversicherung sollte immer aufrecht sein, damit du kostenlose, medizinische Behandlung bekommst. Solltest du keine aufrechte Krankenversicherung haben, wende dich bitte an Beratungsstellen.

Solltest du eine medizinische Behandlung brauchen aber keine aufrechte Versicherung besitzen wende dich an folgende Institutionen: 

Wenn du einen medizinische Notfall hast, musst du in Österreich in jedem Krankenhaus trotzdem behandelt werden.


Praktische Beispiele zu Versicherungsfragen

Weil diese Thematik kompliziert ist, wollen wir einige Beispiele aufzeigen:

  • Du bist 16 Jahre und hast deine Schule abgebrochen. Du kannst bist weiterhin bei deinen Eltern mitversichert. 
  • Du bist 17 Jahre und hast deine Lehre abgebrochen. Du bist bist wieder bei deinen Eltern mitversichert, außer du hast Anspruch auf Arbeitslosengeld, dann bist du über das AMS versichert.
  • Du bist 19 und hast gerade deine Lehre beendet und findest keinen Job. Du kannst dich noch 24 Monate bei deinen Eltern mitversichern, außer du hast Anspruch auf Arbeitslosengeld, dann bist du über das AMS versichert.
  • Du bist 18 und hast soeben die Schule mit Matura abgeschlossen, weißt aber noch nicht, wohin dein weiterer Weg geht. Du kannst dich noch 24 Monate bei deinen Eltern mitversichern. 
  • Du bist 23 Jahre und studierst an der Universität, nebenbei arbeitest du in der Woche 10 Stunden in einem Restaurant und verdienst 480 Euro. Du kannst dich weiterhin bei deinen Eltern mitversichern lassen.
  • Du bist 24 Jahre, studierst an einer Fachhochschule und arbeitest nebenbei 25 Stunden in einer Buchhandlung. Dort verdienst du 950 Euro. Du zahlst durch deine Anstellung Sozialversicherungsbeiträge und bist somit nicht mehr bei deinen Eltern mitversichert.
  • Du bist 28 Jahre alt und studierst an der Universität, nebenbei arbeitest du 10 Stunden in der Woche in einem Restaurant und verdienst 500 Euro. Du kannst dich nicht mehr bei deinen Eltern mitversichern lassen. Über deinen geringfügigen Job bist du nur unfallversichert. Falls am Arbeitsplatz ein Unfall passiert, übernimmt die Versicherung alle Kosten. Außerhalb deiner Tätigkeit bist du nicht versichert. Du solltest dringend mit der Krankenkasse in Kontakt treten und dich selbst versichern.
  • Du bist 17 und gehst noch zur Schule. Im Sommer arbeitest du für einen Monat 40 Stunden die Woche in einem Supermarkt und verdienst 1200 Euro (Ferialjob). Du bist während deines Ferialjobs aufgrund deines Arbeitsverhältnis versichert. Wenn dieses beendet ist, bist du automatisch wieder bei deinen Eltern mitversichert.

Wie finde ich raus, ob ich versichert bin?

Du gehst am besten zum örtlichen Ableger der Krankenkasse (ÖGKK - Österreichische Gesundheitskrankenkasse). Dort kannst du dir kostenlos einen Versicherungsdatenauszug holen. Vergiss nicht deine E-Card und einen amtlichen Lichtbildausweis mitzunehmen.

Auf diesem Auszug siehst du, wo du wann sozialversichert warst und ob du aktuell sozialversichert bist. Wenn du bei jemandem mitversichert bist und dafür eine Bestätigung brauchst, verlange bei der Krankenkasse eine "Mitversicherungsbestätigung".

Natürlich geht das heutzutage alles auch online.


Private Versicherungen

Es gibt für alle Risiken und Lebenslagen Versicherungen, die man freiwillig abschließen kann, wie z.B. Reiseversicherung, Handyversicherung, Diebstahlversicherung oder Rechtsschutzversicherung. Welche Versicherungen für dich passend sind, hängt immer von deiner jeweiligen Situation ab. Überlege dir gut welche Versicherungen du wirklich brauchst oder wo es offensichtlich eher so ist, dass jemand Geld verdienen will mit deinen Beiträgen.

Hier muss man sich alle Personen individuell ansehen, eine private Versicherung kann für eine Person sehr nützlich und wichtig sein, für eine andere überhaupt nicht. Wenn du eine Wohnung mietest oder besitzt, macht es Sinn eine Haushaltsversicherung abzuschließen. Wenn du keine Wohnung hast, macht es aber wenig Sinn. Haushaltsversicherungen decken in der Regel Schäden am Wohnungsinhalt durch Feuer, Wasser, Einbruch, etc.. ab.

Bei den meisten Versicherungsanstalten ist zudem die private Haftpflichtversicherung in der Haushaltsversicherung inkludiert. Diese versichert dich gegen Schäden, die du selbst (unabsichtlich) verursachst. Unabhängige VersicherungsmaklerInnen oder Vergleichsportale im Internet können dir helfen, eine passende Versicherung für bestimmte Lebensumstände oder Gegenstände zu finden.

Was musst du bei Versicherungen beachten?

  • Lies das "Kleingedruckte". Dort steht, für welche Fälle die Versicherung tatsächlich aufkommt. Es ist genau beschrieben, welche Schäden, Risiken etc. mit welchen Summen versichert sind und was die Versicherung bezahlt und was nicht.
  • Bei den meisten Versicherungen gilt die Sorgfaltspflicht. Zum Beispiel bezahlt die Versicherung bei einem Einbruch nur, wenn Türen und Fenster auch ordentlich versperrt waren.
  • Ein Schaden muss der Versicherung in einem bestimmten Zeitraum, am besten unverzüglich, gemeldet werden (Meldepflicht). Wenn du etwas zu spät meldest, riskierst du, dass die Versicherung nicht bezahlt.

Bei privaten Versicherungen gibt es große Unterschiede bei den diversen Produkten. Bevor du einen Vertrag unterschreibst, lies dir immer genau die sogenannte "Versicherungspolizze" durch. Privatversicherungen sind jedoch nicht verpflichtet, dich als Kund_in zu nehmen. Eine private Krankenkasse zum Beispiel wird niemanden nehmen der chronisch krank ist und wenn, dann nur mit sehr hohen monatlichen Beiträgen, da sonst die private Krankenkasse sehr hohe Kosten hätte. Hast du eine private Krankenversicherung, kann es sein, dass du Behandlungen schneller bekommst und in einem Krankenhaus in einem Einzelzimmer liegst. Mehr Informationen zu den verschiedenen Formen der privaten Versicherungen findest du bei der Arbeiterkammer.

Diese Worte solltest du kennen:

  • Versicherungsvertrag: Ein Vertrag, mit dem eine Versicherung abgeschlossen wird
  • Polizze: Ein schriftlich zusammengefasster Versicherungsvertrag als Urkunde, die bestätigt, dass die Versicherung abgeschlossen wurde
  • Prämie: Summe, die man einer Versicherungsanstalt für eine Versicherung zahlt (z.B. monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich)
  • Versicherungsfall: Eintritt eines versicherten Schadens (z.B. eine zerbrochene Fensterscheibe)
  • Risiko: Eine bestimmte versicherte Gefahr

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Letzte Aktualisierung: Jänner 2022

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