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In jedem Leben gibt es mal Probleme oder Krisen. Manchmal wird es ohne fremde Hilfe wieder besser, manchmal helfen Gespräche mit nahestehenden Menschen. Und manchmal macht es Sinn, eine Therapie zu machen. 

Doch was genau ist eigentlich Psychotherapie? Wie kommt man dazu? Was kostet das? Und gibt es das auch gratis?



Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapie, Psychiatrie und Psychologie?

  • Der_die Psychotherapeut_in hat eine Ausbildung für Psychotherapie gemacht und begleitet Menschen ein paar Wochen bis zu mehreren Jahren. Es geht dabei immer um die persönliche Entwicklung und um die Minderung von Leid.
  • Ein_e Psychiater_in hat Medizin studiert und die Fachrichtung Psychiatrie gewählt. Psychiater_innen sind also immer auch Ärtz_innen. Sie dürfen Medikamente verschreiben, wie z.B. Antidepressiva oder angstlösende und beruhigende Medikamente.
  • Der_die Psycholog_in hat Psychologie an der Uni studiert und arbeitet in diversen Tätigkeitsfeldern, die mit Menschen zu tun haben, z.B. in der Schulpsychologie oder in einem Krankenhaus.

Wann braucht man Psychotherapie?

Es gibt viele Gründe, eine Psychotherapie zu machen.

Manche Menschen möchten einfach sich selbst besser kennen lernen und an größeren und kleineren Problemen arbeiten, um besser damit umgehen zu können.

Hilfreich ist eine Psychotherapie auf jeden Fall dann, wenn du seit längerer Zeit an einem oder mehreren der folgenden Probleme leidest:

  • Du fühlst dich krank oder hast Schmerzen, ohne dass der Arzt/die Ärztin einen Grund dafür findet.
  • Du hast Angst oder Panik ohne ersichtlichen Grund.
  • Du hast in gewissen Situationen Angst, z. B. in engen Räumen, im Kontakt mit Mitmenschen oder bei Prüfungen
  • Du hast Schlafstörungen.
  • Du wirst von Gedanken geplagt, über die du dich nicht zu sprechen traust (z. B. Scham- oder Schuldgefühle, Hassgefühle, das Gefühl, verfolgt oder fremdbestimmt zu werden...).
  • Du fühlst dich erschöpft, lustlos, antriebslos oder überfordert.
  • Du findest keine Freude am Leben.
  • Du bist ständig sehr traurig oder fühlst dich einsam.
  • Du befindest dich in einer belastenden Situation, z. B. Scheidung der Eltern, Tod einer geliebten Person, schwere Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit.
  • Du hast immer wieder Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen.
  • Du bist süchtig nach Alkohol, Drogen, Essen oder Spielen.
  • Du fühlst dich gezwungen, ständig dasselbe zu denken oder tun (z. B. Hände waschen).
  • Du hast Angst vor Entscheidungen.

Was ist eine Psychotherapie?

Bei einer Therapie geht man einmal die Woche, je nach Problem und Methode auch öfter oder seltener, in die Praxis einer_eines Psychotherapeut_in. Dort kann man über alle Probleme reden und die_der Therapeut_in hilft dir, damit es dir wieder besser geht.

Manchmal dauert das ein paar Wochen, manchmal auch einige Monate oder Jahre. Das kommt auf die Art des Problems und auf die Methode der Psychotherapie an.


Wie kommst du zu einer Psychotherapie?

Eine Psychotherapie-Stunde kostet normalerweise zwischen 70 und 150 Euro.

Wenn du - oder deine Eltern - das nicht selbst zahlen kannst oder willst, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Dein Hausarzt/deine Hausärztin kann dir eine Überweisung schreiben. In diesem Fall übernimmt die Krankenkasse 28 Euro pro Sitzung. Du kannst dir in diesem Fall selbst eine_n Psychotherapeut_in auswählen, z.B. auf psyonline.at. Vielleicht bekommst du auch eine Empfehlung von jemandem, der_die ebenfalls eine Therapie macht oder gemacht hat.
  • Dein Hausarzt/deine Hausärztin kann dir eine Psychotherapie auf Krankenschein verordnen. In diesem Fall werden alle Kosten von der Krankenkasse getragen. Allerdings ist der Andrang auf bezahlte Plätze sehr groß, es kann also sein, dass du bis zu einem Jahr warten musst, bis du mit der Therapie beginnen kannst. Zudem bist du in der Auswahl der_des Therapeut_in eingeschränkt, da nicht alle Therapeut_innen Kassenplätze anbieten.
  • Du wendest dich an den Psychotherapeutischen Bereitschaftsdienst. Dort gibt es eine Auswahl von Psychotherapeut_innen und Psychotherapeut_innen in Ausbildung, die kostengünstigere Therapien anbieten.

Was soll man bei der Auswahl eine_r Therapeut_in beachten?

Informiere dich über den_die Therapeut_in, z.B. auf der Website. Kennt sie_er sich mit deinen Problemen gut aus? Wie arbeitet die Person? Was wird es kosten?

Wenn du den_die Therapeut_in deiner Wahl gefunden hast, frage nach, ob du zu einem Erstgespräch vorbeikommen kannst. Dieses sollte kostenlos oder zumindest sehr günstig sein. Du kannst auch bei mehreren Therapeut_innen ein Erstgespräch vereinbaren, damit du eine Auswahl hast.

Beim Erstgespräch klärst du:

  • Ist dir die Person sympathisch?
  • Fühlst du dich wohl und kannst du dir vorstellen, dass du ihr von deinen Sorgen erzählst?
  • Frage nach, mit welcher Methode er_sie arbeitet, falls es nicht erwähnt wird, und lass sie dir gut beschreiben.
  • Frage nach den Kosten (falls du das nicht schon geklärt hast).
  • Kläre die Bedingungen. Manche Therapeut_innen möchten, dass man zu Beginn 4-5 Sitzungen fix vereinbart. Das musst du nicht tun, wenn du nicht willst.
  • Falls du dir unsicher bist, ob du dir eine Therapie bei dieser Person vorstellen kannst - oder wenn du mehrere Erstgespräche vereinbart hast - sag einfach, dass du eine Weile Bedenkzeit brauchst. Du musst nicht gleich einen neuen Termin vereinbaren, wenn du dir nicht sicher bist. Solltest du dich dagegen entscheiden, kannst du ein höfliches E-Mail schicken, für das Gespräch danken und schreiben, dass du nun woanders eine Therapie machst. Das muss dir nicht unangenehm sein, das hören die nicht zum ersten Mal. Genau dafür ist das Erstgespräch ja da - damit man herausfinden kann, ob es passt oder eben nicht.

Bist du nicht sicher, ob du eine Psychotherapie brauchst?

Wende dich am besten zuerst mal an eine Beratungsstelle. Gern kannst du mit deiner Frage auch zu uns kommen. Wir hören zu.


Hast du aktuell eine Krise?

Eine psychische Krise können zum Beispiel Selbstmordgedanken sein, Halluzinationen oder Panikattacken. Du bist mit einer Situation konfrontiert, die du alleine nicht mehr bewältigen kannst. Dein Denken dreht sich im Kreis. Du fühlst nichts mehr oder so stark, dass du damit nicht mehr umgehen kannst.

Wenn sich Freund_innen, Familienangehörige oder du dich in einer psychischen Krise befindest und nicht mehr weiter weißt, wende dich an eine Beratungsstelle oder ruf bei unmittelbarer Gefahr die Rettung unter 144.


Letzte Aktualisierung: Jänner 2020

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